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Die Stadt von Morgen
Öffentliche Gebäude und Wohngebiete, Pionierlager und Künstlerhäuser, Hochzeitspaläste und Hotels sind Geschichte und Erbe der sowjetischen Architektur und Stadtplanung, die die Städte der ehemaligen Sowjetunion prägten. Die Architektur des sowjetischen Modernismus der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zeigt eine enge Beziehung zur Avantgarde der 1920er Jahre, vor allem zu den Traditionen von Bauhaus und WchUTEMAS.

Die internationale Gruppe von Kurator*innen und Forscher*innen, unterstützt vom Goethe-Institut, stellt ein Ausstellungsprojekt zur Geschichte und zum Erbe der Architektur des sowjetischen Modernismus „Die Stadt von morgen“ vom 24. November 2020 bis zum 24. Januar 2021 im Kulturzentrum ZK19 vor.

„Die Stadt von morgen“ ist eine Ausstellung über die sowjetische Stadt, die als Modell für eine neue Gesellschaft entworfen wurde, und über ihre Architektur, die durch utopische Projekte und durch die realisierten Gebäude von der Avantgarde-Architektur der 1920er Jahre bis zu den letzten Jahren der UdSSR repräsentiert wird. Über 600 anerkannte Meisterwerke und wenig bekannte Denkmäler der Architektur Russlands und der ehemaligen Sowjetrepubliken werden in Form von Fotografien, Modellen, Plänen, Filmfragmenten aus mehr als 70 Archiven präsentiert.
Die Ausstellung erkundet alternative heutzutage wieder relevante Ideen der Sozialstruktur, die in innovativen Projekten der sowjetischen Architektur zum Ausdruck kommen sowie die tiefen Verflechtungen mit universellen sozialen Prinzipien der internationalen modernistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts, dem deutschen Bauhaus – Hochschule des Bauwesens und Kunstdesigns. Gleichzeitig verliert die Ausstellung nicht die für dieselben Ideen kennzeichnenden repressiven und kolonialistischen Aspekte aus den Augen, die mit dem Projekt einer radikalen Änderung der Lebensweise zusammenhängen, mit dem neuen "Lebensaufbau". Dennoch prägen architektonische Konzepte und Gebäude aus der Sowjetzeit noch immer das Erscheinungsbild der Städte der ehemaligen UdSSR. Und eine junge Generation von Architekt*innen, Aktivist*innen und Urbanist*innen setzt sich derzeit für ihre Neuinterpretation und Erhaltung ein.

Das Projekt ist das Ergebnis der Recherchen eines internationalen Kuratorenteams: Architekturhistoriker, AICA-Armeniens Präsident Ruben Arevshatyan, die New Yorker MOMA-Mitarbeiterin Anna Katz sowie Georg Schölhammer, Chefredakteur der österreichischen Zeitschrift für zeitgenössische Kunst „Springerin“.

Die Route der Wanderausstellung vereint die Standorte des sowjetischen Modernismus. Die Ausstellung wurde bereits in Jerewan, Minsk und Moskau gezeigt und wird nach Nowosibirsk nach Tiflis gehen. Unter Beibehaltung des Hauptarchivkerns und speziell entworfener Ausstellungsmodule konzentriert sich das Projekt auf lokale Kontexte und entsteht in Zusammenarbeit mit lokalen Expert*innen in jeder Stadt und an jedem Veranstaltungsort.

„Der sibirische Modernismus“ und die Nowosibirsker Architekturschule wurden zu zentralen Themen für die lokale Erweiterung in Nowosibirsk. Es handelt sich um eine umfangreiche Sammlung einzigartiger Materialien aus mehr als 30 Museen, öffentlichen und privaten Archiven von Moskau bis Irkutsk. Dieser Teil der Ausstellung zeigt den architektonischen Prozess in Sibirien während des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts. Von der Gründung einer regionalen Architekturschule auf der Grundlage der Bildungsprogramme von WchUTEMAS und der frühesten modernistischen Voraussetzungen in der Literatur - der Poesie von Alexej Gastew - bis zum sowjetischen Modernismus der zweiten Welle und der Nowosibirsker Papierarchitektur der 80er Jahre. Die Ausstellung verbindet den lokalen mit dem globalen Kontext, der im Kernteil des Projekts "Die Stadt von morgen" präsentiert wird, und vergleicht zwei Tendenzen, die im Laufe der Geschichte eng miteinander verflochten sind - Regionalismus-Historizismus und Universalismus-Futurismus als Grundlage der modernistischen und postmodernen Vision.


Auf der Ausstellung wird es zum ersten Mal möglich sein, die Deklaration und den Gesellschaftsvertrag der regionalen Vereinigung der Konstruktivisten OSA kennenzulernen, sich mit der sibirischen Wurzeln des Jekaterinburger Konstruktivismus vertraut zu machen, den Lebenszeitplan des weltberühmten Projekts der Kommune von Nikolaj Kusmin zu sehen, Beispiele typischer und einzigartiger Architektur von Omsk, Nowosibirsk, Tomsk, Kemerowo, Nowokuznetsk, Barnaul, Krasnojarsk und Irkutsk zu erforschen. Und natürlich, die Originale von mehr als hundert Blättern der Nowosibirsker Papierarchitektur zu sehen, eingebettet in die Logik der Entwicklung des sibirischen Modernismus und der Weltarchitektur.

„Die Stadt von morgen“ Ausstellung der Goethe-Institute in Osteuropa und Zentralasien
Kuratiert von Ruben Arevshatyan, Anna Kats und Georg Schöllhammer
Kurator in Nowosibirsk: Anton Karmanow
Projektkoordination: Goethe-Institut Nowosibirsk
Unterstützt vom Kulturzentrum ZK19
Projektberatung: Boris Chukhovich, Tatiana Efrussi, Nikolay Erofeev, Mark Hakopian, Olga Kazakova und Dimitrij Zadorin
Layout und Grafikdesign: Future Anecdotes, Istanbul.


Projekt unterstützt durch tranzit.at und ERSTE Stiftung
Förderer des Deutschlandjahres in Russland 2020/2021 — KNAUF Unternehmen

 

Organisator:

Goethe-Institut Nowosibirsk

 

Ort und Adresse der Veranstaltung:

Kulturzentrum ZK19, Swerdlowa 13, Nowosibirsk

24.11.2020 — 24.01.2021



Organisatoren