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Lachenmann. Beethoven

Einer der herausragenden Vertreter der Nachkriegsmusikszene, Helmut Lachenmann, ist ein Idol mehrerer Generationen zeitgenössischer  Komponisten, unantastbar unter Musikern, ein „Störenfried“ für das Zuhörerauditorium. Seine Abkehr vom Schönen (das in der modernen Welt zu einem Synonym für Kitsch geworden ist) provozierte im Laufe einiger Jahrzehnte Musikwissenschaftler, Philosophen und Kunsthistoriker zur Suche nach einer neuen Interpretation des „Musikalischen“.


Lachenmanns musikalische Sprache ist hart und unbequem. Seine Phoneme sind Schläge, Geräusche, Knarren und Knirschen … in dem ungewöhnlich schöpferischen, sogar auf eine Art forschenden Geräuschmilieu seiner Werke bilden einzelne musikalische Töne, konsonantische Harmonien oder auch Zitate aus der klassischen Musik leuchtende Tonflecken. Sie alle gewinnen jedoch ihren Sinn und ihre Bedeutung nur dank des hierarchisch aufgebauten Systems seiner musikalischen Sprache.


Die Werke von Lachenmann sind „unschön“ im Verständnis derer, die in den Kategorien der Vergangenheit denken. Damit scheint der Komponist zu unterstreichen: Die Art des Hörens, die Struktur und der Kontext sind deutlich wichtiger als die Charakteristik des einzelnen Tones. In diesem Sinne tritt er als direkter Fortführer der Traditionen der großen deutschen Kultur und Traditionen auf,  wie sie   am konzentriertesten, maximal entfernt von äußerer Schönheit, in den Werken von Beethoven verkörpert sind. Wenn man eine Analogie zieht, könnte man ihn zweifellos als „Beethoven unserer Zeit“ bezeichnen, genauso wie auch umgekehrt. Und da einer von ihnen in Russland gut bekannt ist, während man von dem anderen so gut wie gar nichts weiß, stehen ihre Namen im Jubiläumsprogramm in einer Reihe. Dank dem in Russland unbekannteren Komponisten erklingen in der Konzertaufführung drei äußerst selten aufgeführte Stücke für vier Posaunen und zwei Stücke für ein Streichquintett des berühmten Ludwig van Beethoven.


Konzertprogramm:

Helmut Lachenmann

Trio fluido für Klarinette, Viola und Schlagzeug (1966)

Ludwig von Beethoven

3 Equale für vier Posaunen WoO 30 (1812)

Helmut Lachenmann

emA für Flöte, Stimme (Mezzosopran) und Violoncello (1968) 

Ludwig von Beethoven

Quintettsatz d-moll, Hess 40 (1817) 

Quintett-Fuge D-Dur op. 137 (1817) 

Helmut Lachenmann

 „...zwei Gefühle...“, Musik mit Leonardo für Sprecher und Ensemble (1991–92)


Es spielen:

Ensemble STUDIO FOR NEW MUSIC

Künstlerische Leitung: Vladimir Tarnopolski


Gastsolisten:      

Archip Samsonov – Posaune und Yuri Kolosov, Posaune  - Großes Symphonisches Orchester Namens P.I Tschaikowsky


Dirigent: Sergej Akimov  


Buchung elektronischer Konzertkarten unter: http://mosconsv.ru/ru/bilet.aspx?id=167371


Ort und Adresse der Veranstaltung:

Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, Rachmaninow-Saal

Bolschaja Nikitskaja 11, Metro: Ochotnyj Rjad, Arbatskaja, Twerskaja, Moskau


14.10.2020, 19:00

Organisatoren